Kurzantwort: Ein „Bonding-Router“ bündelt mehrere Uplinks – etwa LTE-Modems, WLAN und Ethernet – auf Netzwerkebene. Für einen einzelnen SRT-/SRTLA-Stream zu IRL.com.de passiert das echte Bonding dagegen in der App: Moblin und IRL Pro verteilen die Pakete per SRTLA über mehrere Schnittstellen. Ein Multi-WAN-Router liefert vor allem Failover und Lastverteilung zwischen Verbindungen; eine einzelne SRT-Verbindung bleibt meist auf einem Uplink. Ein Router-Kit lohnt sich also vor allem für Encoder ohne eigenes Mobilfunk oder WLAN oder als zusätzliche Absicherung.
Router-Bonding und SRTLA sind nicht dasselbe
Eigenschaft
Multi-WAN-Router
SRTLA (App)
Ebene
Netzwerkebene: Uplinks am Router
Anwendungsebene: zwischen App und Relay
Bündelung einer einzelnen Verbindung
Typischerweise nein (Flow-Hashing)
Ja, Paket-Aggregation
Ausfall eines Uplinks
Failover und Neuverteilung
Andere Pfade tragen weiter
Verbindung zum Encoder
Eine Leitung (Ethernet oder WLAN)
App nutzt mehrere Schnittstellen selbst
Typischer Einsatz
Ethernet-Encoder, Backup-Uplink
Mobiles IRL mit mehreren Netzen
Flow-Hashing: Multi-WAN-Router verteilen meist pro Verbindung, nicht pro Paket. Ein einzelner SRT-Stream bleibt deshalb in der Regel auf einem Uplink, bis dieser ausfällt. Echte Paket-Bündelung für einen Stream macht SRTLA in der App – siehe SRTLA-Bonding.
Wann sich ein Router-Kit lohnt
Dein Encoder kann nur Ethernet (Kamera, Laptop, Hardware-Encoder) und braucht einen mobilen Internet-Uplink.
Du willst einen zweiten Uplink als Backup, während die App weiterhin über das Handy sendet.
Du möchtest mehrere SIMs zentral am Router verwalten statt am Telefon.
Kein Bedarf: Wenn dein Handy plus App bereits SRTLA über Mobilfunk und WLAN bündelt, ist ein zusätzlicher Router meist unnötig.
Einkaufsliste für das Kit
Router mit Multi-WAN-Unterstützung (zum Beispiel OpenWrt mit mwan3) und USB-Ports für LTE-/5G-Sticks.
Zwei oder mehr LTE-/5G-Modems samt SIMs – wenn möglich aus unterschiedlichen Netzen, damit ein Ausfall eines Anbieters nicht beide Uplinks trifft.
Externe Antennen oder zumindest eine gute Positionierung: Metall und Fahrzeugkarosserien dämpfen Mobilfunk.
Kurzes Ethernet-Kabel zum Encoder.
Ausreichend dimensionierte Powerbank mit USB-C-PD – Router und Modems ziehen dauerhaft Strom.
Aktive Kühlung oder ein Schattenplatz, da Router und Modems unterwegs heiß laufen.
Klettverschluss, Kabelbinder und ein wetterfestes Gehäuse für den Rucksack.
Setup in Kürze
SIMs einsetzen und im Router-UI prüfen, dass jeder Uplink einzeln online ist.
Multi-WAN-Policy einstellen: einen starken Uplink priorisieren, die übrigen als Failover.
Encoder per Ethernet an den Router anschließen und den Internetzugang testen.
Stream im Panel mit Ingest SRT / SRTLA anlegen und URL sowie Stream-Key kopieren.
Kann dein Encoder SRTLA, konfiguriere das Bonding in der App – der Router liefert dann nur einen stabilen Pfad.
Stream starten und im Panel Paketverlust, Bitrate und RTT beobachten.
Puffer, Bitrate und Erwartungen
Router-Bonding erzeugt keine Bandbreite: Die nutzbare Bitrate bleibt durch die Summe der aktiven Uplinks begrenzt.
Puffer wie bei jedem Aufbau mit Bonding: mobil 1.000–2.000 ms als konservativer Start, praktische Obergrenze etwa 2.500 ms (rund 4× RTT).
Zu aggressive Failover-Schwellen springen unnötig zwischen Netzen – lieber etwas träger einstellen.
Ein schwacher Uplink im Bündel kann die Gesamtlatenz erhöhen. Prüfe, welche Verbindung tatsächlich genutzt wird.
Werte im Blick behalten: Bitrate, Latenz und Paketverlust liest du im Dashboard – Details im Statistik-Guide und zu Puffern in SRT-Latenz und Puffer.
Was Router-Bonding nicht löst
Es ersetzt kein app-seitiges SRTLA: Für einen einzelnen Stream gibt es meist keine Paket-Aggregation über mehrere Uplinks.
Flow-Hashing kann einen SRT-Stream auf einem Uplink festhalten, auch wenn ein anderer frei wäre.
Falscher Stream-Key oder falsches Protokoll im Panel bleiben Fehler im Panel – der Router ändert daran nichts.
Sind alle Uplinks gleichzeitig überlastet, hilft auch Bündelung nicht.